Von Birte Meyn
Das Hamburger Rathaus ist heute der Sitz des Senats und der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Es ist noch fast im Originalzustand erhalten, da es bis auf kleine Beschädigungen am 112m hohen Turm während des zweiten Weltkrieges, nahezu unverändert geblieben ist. Während des großen Brandes im Jahr 1842 wurde das alte Rathaus an der Trostbrücke gesprengt. Dies sollte dazu dienen, durch die Brandschneise den Brand zu stoppen, was aber nicht gelang. Nach 44-jähriger Planungszeit konnte im Jahr 1886 die Grundsteinlegung für das neue Rathaus mit Bürgermeister Carl Friedrich Petersen gefeiert werden. Geplant wurde das Rathaus von dem Rathausbaumeisterbund, einer Gruppe von neun Architekten, unter der Leitung von Martin Haller.
Nach 11-jähriger Bauzeit wurde das Rathaus schließlich am 26.10.1897 feierlich eröffnet. Die Baukosten betrugen insgesamt 11 Millionen Goldmark, was heute etwa 80 Millionen Euro entspricht. Da die Bodenbeschaffenheit aufgrund der Nähe zur Alster und Elbe nicht gut war, wurde das Rathaus auf ca. 4000 Eichenpfählen errichtet. Das Gebäude wurde im Stil der Neorenaissance erbaut. Seine Fassade besteht aus Granit und Sandstein und das Dach wurde mit Kupfer gedeckt. Es war von Beginn an ein sehr modernes Gebäude, da es eine Heizung und elektrisches Licht gab.
Viele Räume sind reich verziert, haben Stuck an den Decken und besondere Tapeten an den Wänden. Auch gibt es bei den repräsentativen Räumen der ersten Etage viele Symbole, die sich auf die Handelsbeziehungen während der Hanse und die Freiheit der Stadt beziehen. An der Fassade des Rathauses gibt es ebenfalls viele Details zu entdecken. So erinnert der Phönix unter der Turmuhr an den großen Brand von 1842. Die Fassade zum Rathausmarkt hin, wird von 20 bronzenen Königen und Kaisern des Heiligen Römischen Reiches geziert. Oberhalb der Könige und Kaiser sind am mittleren Turm die bürgerlichen Tugenden Tapferkeit, Frömmigkeit, Eintracht und Klugheit zu finden, die die Freiheit der Stadt gegenüber der Krone verdeutlichen. Über dem Eingangsportal befindet sich außerdem das Mosaik der Hammonia.
Über den Fenstern der ersten Etage, sind 28 Büsten von Vertretern bürgerlichen Berufen zu sehen. Auf dem Dach befinden sich außerdem Figuren der heiligen Schutzpatrone der Hamburger Kirchspiele und der Klöster, die vor ihrer Auflösung an der Stelle des heutigen Rathauses angesiedelt waren. Ein Blick in den Innenhof lohnt sich ebenfalls, denn dort steht der Hygieia Brunnen. Die Bronzefigur der Hygieia steht für Gesundheit und sie tritt auf einen Drachen, was die Choleraepidemie vom Jahr 1892 symbolisieren soll. Entworfen und gestaltet wurde der Brunnen von dem Bildhauer Joseph von Kramer. Um die repräsentativen Innenräume des Rathauses kennenzulernen, lohnt es sich, an einer Rathausführung teilzunehmen. Dabei werde viele Details gezeigt und man kann mehr über die heutige Nutzung des Rathauses erfahren. So findet z. B. alljährlich im Februar das Matthiae-Mahl statt, das älteste Festmahl der Welt
Datum: 11.2025